Eine Sprache, die niemanden erreicht
Drei Sprachen angelegt, alle aktiv, alle mit gepflegten Übersetzungen — eine davon keinem Verkaufskanal zugeordnet. Der Aufwand ist bezahlt, der Inhalt unerreichbar.

Internationalisierung scheitert selten an der Übersetzung. Sie scheitert an einer Zuordnung, die niemand vermisst, weil in der Verwaltung alles richtig aussieht.
Was wir gemessen haben
In der laufenden 6.7.13.1 haben wir drei Tabellen gegeneinander gehalten:
language (welche Sprachen gibt es), sales_channel_language (welche Sprache
gehört zu welchem Verkaufskanal) und product_translation (welche
Übersetzungen sind gepflegt).
| Sprache | aktiv | einem Kanal zugeordnet | Produktübersetzungen |
|---|---|---|---|
| Deutsch | ja | ja | vorhanden |
| Englisch | ja | ja | vorhanden |
| Französisch | ja | nein | vorhanden |
Die dritte Zeile ist der Befund. Französisch ist angelegt, aktiv und übersetzt — und keinem Verkaufskanal zugeordnet. Es gibt keinen Weg, auf dem ein Kunde diese Inhalte erreichen könnte.
Warum das passieren kann
Die beiden Angaben liegen an verschiedenen Stellen und werden zu verschiedenen Zeitpunkten gepflegt:
Die Sprache wird in den Einstellungen angelegt. Dort steht sie in der Liste, dort ist sie aktiv, dort kann man sie in der Produktverwaltung auswählen und übersetzen. Alles funktioniert.
Die Zuordnung passiert im Verkaufskanal. Sie ist der Punkt, an dem eine Sprache zu einem ausgelieferten Inhalt wird — und sie wird vergessen, weil zum Zeitpunkt des Anlegens der Übersetzungsauftrag im Vordergrund steht.
Das Muster ist dasselbe wie bei anderen Shopware-Einstellungen, die eine zweite Angabe brauchen, um zu wirken. Wir haben drei solcher Fälle nebeneinandergelegt in Wenn der Schalter an ist und trotzdem nichts passiert.
Was das kostet
Der Übersetzungsaufwand ist der sichtbare Teil. Der unsichtbare ist die Zeit: Ein Markt, den man bedienen wollte, wird nicht bedient — und niemand merkt es, weil im Backend alles vollständig aussieht.
Wer maschinell übersetzt, zahlt zusätzlich für Kontingent oder Zeichen. Das Geld ist ausgegeben, sobald die Texte erzeugt sind, unabhängig davon, ob sie jemals ausgeliefert werden.
Die Prüfung, die zwei Minuten dauert
- Sprachliste öffnen. Einstellungen → Sprachen. Notieren, welche Sprachen es gibt.
- Jeden Verkaufskanal öffnen. Unter „Sprachen" steht, welche dort ausgeliefert werden.
- Vergleichen. Jede Sprache, die in Schritt 1 steht und in Schritt 2 fehlt, ist unerreichbar.
Für Shops mit mehreren Kanälen lohnt die Tabelle: Sprache × Kanal, mit einem Haken je Zuordnung. Lücken fallen dort sofort auf.
Der zweite Schritt: hreflang
Ist die Zuordnung vorhanden, fehlt meistens noch die Auszeichnung. Wir haben
gemessen, dass hreflang_active ab Werk auf allen Verkaufskanälen auf 0
steht — Sprachen einzurichten schaltet es nicht ein. Wie es gesetzt wird,
steht in hreflang in Shopware einrichten.
Die Reihenfolge für einen neuen Markt ist damit:
- Sprache anlegen und aktivieren
- Dem Verkaufskanal zuordnen
- Domain oder Pfad einrichten
- hreflang aktivieren
- Übersetzen
Schritt 5 steht bewusst am Ende. Wer vorher übersetzt, kann es tun — sollte dann aber wissen, dass die Inhalte bis Schritt 2 niemanden erreichen.
Was Sie vorher wissen sollten
Wie viel Arbeit eine weitere Sprache bedeutet, hängt davon ab, wie viele Bereiche überhaupt übersetzbar sind. Wir haben das ausgezählt: Was Shopware übersetzbar macht. Und wie man dabei keine Daten verliert, steht in Produktdaten übersetzen ohne Datenverlust.
Grenzen dieser Messung
Gemessen haben wir eine Installation mit drei Sprachen und deren Zuordnungen. Das zeigt, dass der Fall existiert und wie er aussieht — nicht, wie häufig er ist. In Shops mit vielen Kanälen und Sprachen steigt die Wahrscheinlichkeit, weil die Zahl der möglichen Zuordnungen multiplikativ wächst.
Häufige Fragen
- Reicht es, in Shopware eine Sprache anzulegen und zu aktivieren?
- Nein. Die Sprache muss zusätzlich einem Verkaufskanal zugeordnet sein. Ohne diese Zuordnung existiert sie in der Verwaltung, erscheint aber in keinem Shop.
- Woran merke ich, dass eine Sprache nicht ausgeliefert wird?
- Im Verkaufskanal unter Sprachen nachsehen. Steht die Sprache dort nicht, wird sie nicht ausgeliefert — unabhängig davon, wie vollständig sie übersetzt ist.
- Kann eine Sprache Übersetzungen haben, ohne sichtbar zu sein?
- Ja. Wir haben genau das gemessen: gepflegte Produktübersetzungen in einer Sprache ohne Kanalzuordnung. Die Daten sind da, der Weg zum Kunden fehlt.
- Was kostet dieser Fehler?
- Den vollen Übersetzungsaufwand — und im schlimmsten Fall die Zeit bis zur Entdeckung, in der niemand merkt, dass ein Markt gar nicht bedient wird.
