Ein Produkt, sieben indexierbare URLs
Sechs Varianten erzeugen sechs selbstkanonische Seiten. Die siebte ist das Hauptprodukt — und die gibt sich zugunsten der ersten Variante auf.
Ergebnis
7 URLs, 6 selbstkanonisch, 6 in der Sitemap
Jede der sechs Varianten bekommt eine eigene SEO-URL, weist sich selbst als kanonisch aus, trägt index,follow und steht in der Sitemap des Kerns. Die Seite des Hauptprodukts kanonisiert nicht auf sich selbst, sondern auf die erste Variante — und steht selbst nicht in der Sitemap. In 6.6.10.6 und 6.7.13.1 identisch, bei zwei Produkten mit unterschiedlicher Variantenzahl und in beiden Sprachen.
Varianten sind in Shopware bequem: ein Produkt anlegen, Eigenschaften zuweisen, fertig. Was dabei an URLs entsteht, sieht man in der Administration nicht — und es ist mehr, als die meisten erwarten.
Das Ergebnis
Ein Demoprodukt, sechs Varianten. Jede Seite abgerufen, canonical und robots
ausgelesen:
| Art | Nummer | canonical zeigt auf | robots |
|---|---|---|---|
| Hauptprodukt | SWDEMO10005 | …/SWDEMO10005.1 | index,follow |
| Variante | SWDEMO10005.1 | …/SWDEMO10005.1 | index,follow |
| Variante | SWDEMO10005.2 | …/SWDEMO10005.2 | index,follow |
| Variante | SWDEMO10005.3 | …/SWDEMO10005.3 | index,follow |
| Variante | SWDEMO10005.4 | …/SWDEMO10005.4 | index,follow |
| Variante | SWDEMO10005.5 | …/SWDEMO10005.5 | index,follow |
| Variante | SWDEMO10005.6 | …/SWDEMO10005.6 | index,follow |
Sieben URLs. Sechs davon erklären sich selbst zur kanonischen Fassung. Und die siebte — die Seite, auf die intern verlinkt wird, die in der Navigation steht, die als „das Produkt" gemeint ist — verweist auf eine Variante.
Die Sitemap macht es eindeutig
Der Verdacht liegt nahe, dass die sechs Variantenseiten zwar existieren, aber nur zufällig erreichbar sind. Die Sitemap widerlegt das.
Der Kern erzeugt für dieses Produkt:
| in der Sitemap | |
|---|---|
Hauptprodukt SWDEMO10005 | nein |
Variante .1 bis .6 | ja, alle sechs |
In 6.6.10.6 und 6.7.13.1 identisch. Shopware duldet die Variantenseiten also nicht bloß — es meldet sie aktiv an. Und die eine Seite, die ein Mensch als „das Produkt" bezeichnen würde, steht nicht darin.
Damit ist das Bild in sich stimmig: Für Shopware ist die Variante die Einheit,
die im Index stehen soll. Die Hauptproduktseite ist eine Einstiegsseite, die
ihre Signale per canonical an die erste Variante weitergibt.
Wichtig zur Herkunft dieser Zahl. Die 6.7-Runtime trägt unseren eigenen Sitemap-Generator, und der verhält sich umgekehrt: Er nimmt das Hauptprodukt auf und lässt die Varianten weg. Für die Messung oben wurde er deshalb vorübergehend deaktiviert und der Kern allein gemessen; danach wieder aktiviert. Wer in einem Shop mit SEO-Erweiterung nachsieht, misst möglicherweise das Plugin und nicht Shopware.
Warum das mehr ist als eine Kuriosität
Ein canonical-Verweis ist eine Aussage an die Suchmaschine: Diese Seite ist
eine Kopie, das Original steht dort. Wenn die Hauptproduktseite das über sich
selbst sagt, gibt sie ihre Signale an die erste Variante ab — an eine Seite, die
zufällig die erste ist. Bei sechs Farben ist das „Blau", weil Blau in der
Sortierung vorn steht.
Gleichzeitig sagen die sechs Varianten jeweils: Ich bin das Original. Sie konkurrieren also miteinander, und zwar mit sehr ähnlichem Inhalt: gleicher Beschreibungstext, gleiche Bilder bis auf eine Farbe, gleicher Hersteller.
Für hundert Produkte mit je sechs Varianten heißt das: 700 indexierbare URLs statt 100. Das ist kein Fehler im Sinne von kaputt — es ist eine Voreinstellung mit Folgen.
Dass es keine Versionsfrage ist, macht es wichtiger
Die Gegenprobe in 6.6.10.6 ergibt dasselbe Muster: Hauptprodukt kanonisiert auf die erste Variante, jede Variante auf sich selbst.
Eine Eigenschaft, die zwei Major-Versionen überdauert, ist keine Übergangslösung und verschwindet nicht durch ein Update. Sie ist gewollt oder zumindest akzeptiert — und wer sie ändern will, muss es selbst tun.
Wann das gut ist, und wann nicht
Die Struktur ist nicht per se falsch. Es kommt darauf an, was eine Variante ist.
Sinnvoll eigenständig: Varianten, nach denen jemand tatsächlich sucht. Schuhgröße 46, Speicherausbau 1 TB, Länge 3 Meter. Diese Seiten haben eine eigene Nachfrage, eigene Suchbegriffe und oft eigene Kaufabsicht. Dass sie einzeln indexierbar sind, ist der ganze Punkt.
Nicht sinnvoll eigenständig: Varianten, die nur eine Ausprägung sind. Sechs Farben desselben T-Shirts. Danach sucht niemand einzeln, der Text ist identisch, und sechs fast gleiche Seiten helfen niemandem.
Die Frage ist also nicht „Varianten indexieren: ja oder nein", sondern: Hat diese Variantenachse eine eigene Nachfrage?
Was sich tun lässt
| Ziel | Hebel |
|---|---|
| Nur das Hauptprodukt soll ranken | Kanonisierung der Varianten auf das Hauptprodukt umstellen — und dabei die Selbstkanonisierung des Hauptprodukts korrigieren |
| Varianten sollen ranken | So lassen, aber je Variante einen eigenen Textabschnitt vorsehen. Sechs identische Seiten ranken nicht besser als eine |
| Nur bestimmte Achsen indexieren | Je Eigenschaftsgruppe entscheiden. Größe ja, Farbe nein — das ist Konfiguration plus Template |
| Erst einmal wissen, wie groß es ist | Die Zahl der kanonischen Detail-URLs mit und ohne parent_id zählen. Zwei SQL-Zeilen |
Der letzte Punkt ist der, mit dem man anfangen sollte. In den meisten Projekten ist die Zahl höher als vermutet, und ohne die Zahl ist jede Diskussion darüber eine Meinungsfrage.
Ein Fallstrick beim Nachmessen
Wer das nachstellen will, muss die Seiten mit dem korrekten Host-Header
abrufen. Passt der Host nicht zur konfigurierten Verkaufskanal-Domain, liefert
Shopware die Domain-Mapping-Fehlerseite — und zwar mit HTTP 200 und einem
noindex, nofollow im Kopf.
Uns ist genau das einmal passiert: Eine ganze Messreihe zeigte noindex auf
jeder Seite, und der Befund sah nach einer schweren Regression aus. Gemessen
wurde eine Fehlerseite.
Grenzen dieser Messung
Ein Produkt, sechs Varianten, eine Demoinstallation. Das Muster ist klar, die absoluten Zahlen sind es nicht — ein echter Katalog hat andere.
Nicht gemessen wurde, wie Google reagiert. Dass eine Seite index,follow
trägt und sich selbst kanonisiert, ist eine Aussage der Seite über sich selbst,
keine Aussage über die Indexierung. Ob die sechs Varianten tatsächlich alle im
Index landen, ob sie sich gegenseitig verdrängen und wie lange das dauert, ist
eine Beobachtung über Wochen und eine eigene Untersuchung.
