Make.com oder n8n: welches Automationswerkzeug passt
Beide verbinden Systeme, beide werden gern verglichen. Die Entscheidung hängt aber selten am Funktionsumfang — sondern daran, wer die Ketten in zwei Jahren betreut.

Die Frage kommt in fast jedem Automatisierungsprojekt, und sie wird meistens als Werkzeugfrage gestellt. Sie ist eine Betriebsfrage.
Was beide gemeinsam haben
Beide verbinden Systeme über fertige Bausteine: Shop, Warenwirtschaft, CRM, Tabellen, Mail. Beide arbeiten visuell, beide können Zeitpläne und Webhooks als Auslöser, beide beherrschen Verzweigungen, Schleifen und Fehlerbehandlung.
Für die üblichen Aufgaben im Handel — Bestellung ins ERP, Rechnung nach Zahlungseingang, Bestand zurückmelden, Kunde ins CRM — schaffen beide das, was gebraucht wird. Der Unterschied liegt woanders.
Die sechs Unterschiede, die zählen
| Kriterium | Make.com | n8n |
|---|---|---|
| Einstieg ohne Programmierkenntnisse | sehr einfach | mehr Technik nötig |
| Betrieb im eigenen Haus | nicht vorgesehen | möglich |
| Abrechnung | je ausgeführtem Arbeitsschritt | je Ausführung eines Ablaufs |
| Datenhoheit | beim Anbieter | wahlweise bei Ihnen |
| Fertige Anbindungen | sehr viele | viele |
| Eigene Logik | begrenzt | frei bis zum eigenen Code |
Der Einstieg. Make gewinnt hier deutlich. Wer aus dem Marketing oder der Bestellabwicklung kommt und ohne Entwicklerhilfe eine Kette bauen will, kommt schneller ans Ziel.
Der Betrieb. n8n lässt sich selbst betreiben. Das ist der wichtigste Unterschied für alle, die Daten nicht durch einen Dienst laufen lassen wollen oder dürfen — und zugleich die Entscheidung, die am meisten Folgeaufwand erzeugt: Ein selbst betriebenes System braucht Updates, Sicherung und jemanden, der sich zuständig fühlt.
Die Abrechnung. Der Unterschied wird unterschätzt. Make rechnet je Arbeitsschritt ab: Eine Schleife über 200 Zeilen kostet 200 Schritte. n8n rechnet je Ausführung — dieselbe Schleife ist eine Ausführung. Bei Massenverarbeitung ist das ein Faktor, kein Detail.
Wie wir entscheiden
Wir fragen drei Dinge, bevor wir ein Werkzeug vorschlagen:
1. Wer baut, wer betreut? Wenn die Fachabteilung selbst bauen soll: Make. Wenn eine Entwicklerin zuständig ist: n8n, mit mehr Spielraum.
2. Welche Daten laufen durch? Bestelldaten mit Namen und Adressen durch einen Dienst laufen zu lassen ist eine Entscheidung, die dokumentiert gehört. Wo das nicht gewollt ist, fällt die Wahl von selbst.
3. Wie viele Vorgänge pro Monat? Unter ein paar tausend Schritten spielt der Preis kaum eine Rolle. Darüber wird die Abrechnungslogik zum Hauptposten.
Die Frage, die fehlt
In fast jedem Vergleich fehlt der Punkt, der in der Praxis am meisten wehtut: Was passiert, wenn eine Kette stehenbleibt?
Eine Automation, die still verstummt, ist schlimmer als keine — weil sich alle auf sie verlassen. Beide Werkzeuge können Fehler melden. In beiden muss man es einbauen, und in beiden wird es regelmäßig vergessen. Wie das zuverlässig geht, haben wir am Beispiel Make getrennt beschrieben — der Gedanke gilt für jedes Werkzeug.
Unsere Empfehlung
Für die meisten Shops im Mittelstand: Make, solange die Ketten überschaubar sind und die Fachabteilung mitbauen soll. Der schnellere Einstieg schlägt den theoretischen Kostenvorteil, weil die Ketten sonst gar nicht entstehen.
n8n, sobald eine der drei Bedingungen zutrifft: Daten dürfen das Haus nicht verlassen, die Mengen sind groß, oder es gibt ohnehin jemanden, der Systeme betreibt.
Und in beiden Fällen: Erst den Prozess aufschreiben, dann das Werkzeug wählen. Welche Ereignisse der Shop dafür liefert, steht in Webhooks in Shopware 6.
Wenn Sie beim Aufbau Unterstützung brauchen: Wir bauen solche Ketten in Kundenprojekten regelmäßig — mit Protokoll, Meldeweg und einer Dokumentation, die auch dann trägt, wenn wir nicht mehr dabei sind.



