Make.com oder n8n: welches Automationswerkzeug passt
Beide verbinden Systeme, beide werden gern verglichen. Die Entscheidung hängt aber selten am Funktionsumfang — sondern an der Abrechnungslogik und daran, wer die Ketten in zwei Jahren betreut.

Die Frage kommt in fast jedem Automatisierungsprojekt, und sie wird fast immer als Werkzeugfrage gestellt: „Was kann mehr?" Das ist die falsche Frage. Beide können, was ein Onlinehändler braucht. Was sie unterscheidet, ist die Art, wie sie abrechnen, und die Frage, wer das Ganze in zwei Jahren noch versteht.
Dieser Text ist ein Entscheidungsleitfaden, kein Funktionsvergleich. Am Ende sollten Sie wissen, welches der beiden Werkzeuge zu Ihrer Lage passt — und warum die Antwort bei zwei ähnlich großen Shops verschieden ausfallen kann.
Erst die Gemeinsamkeiten, damit der Vergleich nicht überzeichnet
Beide Werkzeuge verbinden Systeme über fertige Bausteine: Shop, Warenwirtschaft, CRM, Tabellen, Mail, Buchhaltung. Beide arbeiten visuell auf einer Fläche, auf der man Kästen verbindet. Beide kennen Zeitpläne und Webhooks als Auslöser, beherrschen Verzweigungen, Schleifen, Wiederholversuche und Fehlerpfade. Beide haben eine Protokollansicht, in der man nachsehen kann, was ein Durchlauf tatsächlich getan hat.
Für die üblichen Aufgaben im Handel — Bestellung ins ERP, Rechnung nach Zahlungseingang, Bestand zurückmelden, Kunde ins CRM, Retoure ins Ticketsystem — schaffen beide, was gebraucht wird. Wer behauptet, eines davon könne eine dieser Ketten grundsätzlich nicht, hat sie nicht gebaut.
Die Werkzeugfrage entscheidet selten, ob eine Automatisierung funktioniert. Sie entscheidet, was sie kostet und wer sie später anfassen kann.
Der Unterschied, der am meisten Geld bewegt: die Abrechnung
Hier liegt der Punkt, der in Vergleichslisten meist als Fußnote auftaucht und in der Rechnung als Hauptposten.
Make rechnet je Arbeitsschritt ab. Die Einheit heißt seit einiger Zeit Credit — früher Operation, die Mechanik ist dieselbe: Jede Aktion eines Bausteins zählt einmal. Eine Schleife über 200 Bestellzeilen, in der jede Zeile einmal ins ERP geschrieben wird, verbraucht 200 Credits. Kommt pro Zeile noch eine Abfrage dazu, sind es 400.
n8n rechnet je Ausführung ab. Ein kompletter Durchlauf eines Ablaufs zählt einmal, unabhängig davon, wie viele Schritte darin stecken. Dieselbe Schleife über 200 Zeilen ist eine Ausführung.

Das klingt nach einem eindeutigen Vorteil für n8n, und bei Massenverarbeitung ist es einer. Bei ereignisgesteuerten Ketten — eine Bestellung löst einen Durchlauf mit acht Schritten aus — dreht sich das Bild: Dort zahlt n8n je Bestellung eine Ausführung, Make acht Credits. Welches Modell günstiger ist, hängt also nicht vom Werkzeug ab, sondern von der Form Ihrer Abläufe.
Was die Tarife heute nennen
Abgerufen am 28.09.2026 auf den Preisseiten der Anbieter — Tarife ändern sich, prüfen Sie den Stand vor einer Entscheidung:
| Make.com | n8n | |
|---|---|---|
| Einheit | Credits (je Bausteinaktion) | Ausführungen (je Durchlauf) |
| kostenloser Einstieg | 1.000 Credits/Monat | Community Edition, selbst betrieben |
| Einstiegstarif | ab 9 $/Monat, 10.000 Credits | ab 20 €/Monat, 2.500 Ausführungen |
| nächste Stufe | 16 $ bzw. 29 $/Monat | 50 €/Monat, 10.000 Ausführungen |
| selbst betreibbar | nein | ja, Community Edition kostenfrei |
Die Zahl, die dabei am meisten überrascht: Der kostenfreie Einstieg bei Make liegt bei 1.000 Credits im Monat. Eine einzige nächtliche Bestandssynchronisation über 500 Artikel ist damit an zwei Tagen aufgebraucht.
Der Unterschied, der am meisten Folgeaufwand erzeugt: der Betrieb
n8n lässt sich selbst betreiben. Das ist für viele der eigentliche Grund, es überhaupt anzusehen — Daten verlassen das Haus nicht, es gibt keinen Auftragsverarbeiter, und die Lizenzfrage ist bei der Community Edition erledigt.
Es ist zugleich die Entscheidung mit den größten Folgekosten. Ein selbst betriebenes System braucht einen Server, Updates, Sicherungen, ein Zertifikat, eine Überwachung und vor allem: jemanden, der sich zuständig fühlt, wenn es an einem Sonntag nicht läuft.
Wer selbst betreibt, sollte das bewusst tun: mit einem eigenen Server, einem festgelegten Updatefenster und einer Person, deren Name im Kalender steht. Wer das nicht leisten kann oder will, ist mit einem gehosteten Dienst ehrlicher bedient — auch mit dem gehosteten Angebot von n8n selbst.
Der Unterschied, den man erst nach sechs Monaten merkt: die Wartbarkeit
Beide Werkzeuge produzieren Abläufe, die nach einem Jahr niemand mehr versteht, wenn man sie lässt. Es gibt aber einen strukturellen Unterschied.
Make ist stärker in der geführten Oberfläche. Bausteine bringen fertige Felder mit, die Zuordnung passiert per Klick. Das ist der Grund für den schnelleren Einstieg — und der Grund, warum komplexe Logik dort schnell in verschachtelten Routern und Filtern endet, die sich schwer lesen lassen.
n8n gibt mehr Freiheit bis hin zu eigenem Code. Ein JavaScript-Knoten löst in drei Zeilen, wofür man in einer reinen Klickoberfläche fünf Bausteine braucht. Das macht Abläufe kürzer und für jemanden mit Entwicklerhintergrund klarer — und für die Fachabteilung unzugänglich.
Wer soll den Ablauf in einem Jahr ändern können?
Die Fachabteilung
- Marketing, Bestellabwicklung oder Buchhaltung baut mit
- Änderungen sollen ohne Ticket möglich sein
- die Abläufe bleiben überschaubar
Eine Entwicklerin oder ein Dienstleister
- eigene Logik, eigene Datenverarbeitung, eigene Endpunkte
- Versionierung und Testläufe sind gewünscht
- große Mengen, viele Sonderfälle
Drei Fragen, mit denen wir im Projekt entscheiden
Wir stellen diese drei Fragen, bevor wir ein Werkzeug vorschlagen. Sie beantworten die Wahl in den meisten Fällen von selbst.
Der Weg zur Entscheidung
- 1Wer baut, wer betreut? Soll die Fachabteilung selbst bauen können, fällt die Antwort auf Make. Ist ohnehin jemand mit technischem Hintergrund zuständig, ist n8n die freiere Wahl.
- 2Welche Daten laufen durch? Bestelldaten mit Namen und Adressen durch einen Dienst laufen zu lassen ist eine Entscheidung, die in die Verarbeitungsübersicht gehört — nicht in eine Fußnote. Wo das nicht gewollt ist, bleibt nur der Eigenbetrieb.
- 3Welche Form haben die Abläufe? Viele kleine ereignisgesteuerte Ketten sprechen für das Ausführungsmodell nur bedingt; große Schleifen über Listen sprechen deutlich dagegen, je Schritt zu zahlen.

Die Frage, die in jedem Vergleich fehlt
Was passiert, wenn eine Kette stehenbleibt?
Eine Automation, die still verstummt, ist schlimmer als keine — weil sich alle auf sie verlassen. Die Bestellungen laufen nicht mehr ins ERP, und es merkt zwei Tage lang niemand, weil nichts Falsches passiert, sondern gar nichts.
Beide Werkzeuge können Fehler melden. In beiden muss man es einbauen, und in beiden wird es regelmäßig vergessen. Wie das zuverlässig geht, haben wir am Beispiel Make getrennt beschrieben — der Gedanke gilt für jedes Werkzeug.
Bevor eine Kette produktiv geht
- Es gibt einen Fehlerpfad, nicht nur den Erfolgsfall.
- Ein Fehlschlag erzeugt eine Meldung an einen Menschen, nicht nur einen Protokolleintrag.
- Es ist festgelegt, wie oft wiederholt wird und was danach passiert.
- Jemand kann sagen, woran man erkennt, dass die Kette seit gestern steht.
- Der Ablauf ist so benannt, dass man ihn in einem Jahr wiederfindet.
Was beide nicht lösen
Kein Werkzeug macht aus einem unklaren Prozess einen klaren. Wenn nicht festgelegt ist, welches System bei einem Konflikt recht hat, entscheidet das am Ende die Reihenfolge der Bausteine — also der Zufall. Diese Festlegung ist Arbeit am Prozess, nicht an der Software, und sie gehört vor die erste Kettenzeile.
Ebenso wenig lösen sie fehlende Ereignisse. Wenn der Shop nicht meldet, dass sich etwas geändert hat, muss die Automation regelmäßig nachsehen — und das kostet in beiden Abrechnungsmodellen. Welche Ereignisse Shopware von sich aus liefert, steht in Webhooks in Shopware 6; was der Shop im Hintergrund ohnehin erledigt, in Was Shopware im Hintergrund erledigt.
Unsere Empfehlung
Für die meisten Shops im Mittelstand: Make, solange die Ketten überschaubar sind und die Fachabteilung mitbauen soll. Der schnellere Einstieg schlägt den theoretischen Kostenvorteil, weil die Ketten sonst gar nicht erst entstehen. Eine Automatisierung, die gebaut wird, ist jeder überlegen, die technisch eleganter wäre und nie fertig wird.
n8n, sobald eine dieser drei Bedingungen zutrifft: Die Daten dürfen das Haus nicht verlassen. Die Mengen sind groß genug, dass die Zählweise zum Kostentreiber wird. Oder es gibt ohnehin jemanden, der Systeme betreibt — dann ist der Eigenbetrieb kein Zusatzaufwand, sondern eine weitere Anwendung auf einer vorhandenen Strecke.
Und in beiden Fällen gilt dieselbe Reihenfolge: erst den Prozess aufschreiben, dann das Werkzeug wählen. Wer damit anfängt, ein Werkzeug zu lernen, baut die Prozesse, die das Werkzeug nahelegt — nicht die, die das Geschäft braucht.
Wenn Sie vor dieser Entscheidung stehen: Wir sehen uns Ihre drei aufwendigsten Abläufe an, rechnen beide Modelle durch und sagen Ihnen, welches passt — auch wenn die Antwort lautet, dass sich die Automatisierung an dieser Stelle noch nicht lohnt. Das ist der Ausgangspunkt für eine Automatisierung, die trägt.



