Internationalisierung

250 Länder sind ab Werk aktiv

Eine frische Shopware-Installation liefert in jedes Land der Welt. Das ist selten gewollt — und die Stelle, an der man es ändert, ist nicht die, an der man sucht.

Pixup MediaVeröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Nach einer frischen Installation kann ein Kunde aus Kiribati bestellen. Das ist kein Fehler, sondern die Voreinstellung — und in fast keinem Projekt gewollt.

Der Befund

6.6.10.66.7.13.1
Länder in der Installation250250
davon aktiv250250
davon versandverfügbar250250
als EU-Land gekennzeichnet2727
mit USt-ID-Pflicht00
mit USt-ID-Musterprüfung00
mit Postleitzahl-Pflicht250250
mit Postleitzahl-Musterprüfung00
mit Bundesland in der Registrierung44

Dazu 304 Bundesländer und Regionen, 9 Währungen und 75 Steuerregeln, die 28 Länder abdecken.

Was das im Checkout bedeutet

Ein Land ist in Shopware an drei Stellen relevant, und sie sind unabhängig voneinander:

Einstellungwirkt auf
active am Landob es in der Länderauswahl erscheint
shipping_available am Landob es überhaupt als Lieferziel in Frage kommt
Länderzuordnung der Versandartob es dorthin tatsächlich eine Versandart gibt

Ab Werk schnappt diese Falle noch nicht zu — und das ist wichtig, damit man sie richtig einordnet. Beide ausgelieferten Versandarten, Standard und Express, hängen an derselben Regel Cart >= 0 (Payment). Die hat genau eine Bedingung, und keine davon ist eine Länderbedingung. Jedes der 250 Länder bekommt also beide Versandarten angeboten.

Die Falle schnappt in dem Moment zu, in dem jemand den ersten Schritt tut — Versand auf die eigenen Zielmärkte einzuschränken, ohne die Länderliste mitzuziehen. Dann ist das Land weiterhin aktiv und versandverfügbar, aber keine Versandart deckt es mehr ab. Der Kunde wählt es aus, kommt in den Checkout und bekommt dort keine Versandart angeboten. Er sitzt fest, ohne zu verstehen, warum.

Das ist sichtbar als Abbruch in der Statistik und unsichtbar als Ursache. Und es entsteht nicht durch Nachlässigkeit, sondern durch eine halbe Aufräumaktion: Wer die Versandarten begrenzt, muss die Länder mitbegrenzen.

Die vierte Stelle: der Verkaufskanal

Die drei Schalter oben sitzen am Land. Darüber liegt der Verkaufskanal, und der hat seine eigene Länderliste. In der Standardinstallation sind die beiden Kanäle sehr unterschiedlich bestückt:

KanalTypLänderWährungenVersandartenZahlarten
StorefrontStorefront250924
HeadlessHeadless2324

Der Storefront-Kanal erbt also die vollständige Länderliste, der Headless-Kanal nicht. Wer einen zweiten Kanal anlegt und sich wundert, warum dort andere Länder zur Auswahl stehen, sucht meist am Land — zuständig ist aber die Zuordnung am Kanal.

Dasselbe gilt für Währungen: Neun sind installiert, der Storefront-Kanal führt alle neun, der Headless-Kanal drei. Eine Währung, die am Kanal nicht zugeordnet ist, existiert für dessen Kunden nicht — unabhängig davon, dass sie im System angelegt ist.

Die Reihenfolge, in der wir das aufsetzen

  1. Länder auf die tatsächlichen Zielmärkte reduzieren. Nicht nur deaktivieren — auch die Versandverfügbarkeit setzen, damit beides zusammenpasst.
  2. Versandarten den Ländern zuordnen. Für jedes aktive Land muss mindestens eine Versandart greifen. Diese Prüfung fehlt in fast jedem Projekt — und sie ist der Schritt, der die Checkout-Sackgasse erzeugt, wenn man ihn halb macht.
  3. Länder und Währungen am Verkaufskanal prüfen. Je Kanal eine eigene Liste. Was am Land aktiv ist, muss am Kanal zugeordnet sein.
  4. Steuerregeln prüfen. Die 75 ausgelieferten Regeln decken 28 Länder ab — nicht 250. Für ein Land ohne Regel gilt der Steuersatz des Produkts unverändert.
  5. USt-ID einschalten, wo sie gebraucht wird. Ab Werk verlangt kein Land eine, und keines prüft das Format. Für B2B in der EU ist beides meist erwünscht.
  6. Postleitzahlmuster erwägen. Alle 250 verlangen eine PLZ, keines prüft ihr Format — ein Tippfehler geht ungehindert durch bis zum Versanddienst.

Punkt 2 und Punkt 5 sind die, die im Alltag Geld kosten.

Vier Länder mit Bundesland

Nur vier der 250 zeigen in der Registrierung ein Bundesland an, und keines erzwingt es. Wer in die USA, nach Kanada oder Australien liefert, sollte das prüfen: Ohne Bundesland ist eine Adresse dort oft unzustellbar, und die Steuerregeltypen für einzelne Bundesstaaten laufen ins Leere.

Die Steuerregeltypen

Der Kern kennt vier, in dieser Reihenfolge ausgewertet:

TypKriterium
zip_codeeine genaue Postleitzahl
zip_code_rangeein PLZ-Bereich
individual_stateseinzelne Bundesstaaten
entire_countrydas ganze Land

Vom Speziellen zum Allgemeinen. Das ist die richtige Reihenfolge und erklärt, warum eine Landesregel eine PLZ-Regel nie überschreibt.

Keine Steuerberatung. Dass der Kern diese Typen kennt und 75 Regeln mitbringt, sagt nichts darüber, ob eine konkrete Konfiguration für Ihr Unternehmen korrekt ist. Das gehört in eine fachliche Prüfung.

Grenzen dieser Messung

Gezählt wurde die Stammdatenlage zweier frisch installierter Systeme. Nicht gemessen wurde das Verhalten im Checkout — dass ein Land ohne Versandart zum Abbruch führt, folgt aus der Konfiguration, nicht aus einem Testkauf.

Nicht gemessen wurde außerdem, ob die 75 mitgelieferten Steuerregeln inhaltlich aktuell sind. Steuersätze ändern sich; die Regeln stammen aus dem Auslieferungsstand.

Von der Verkaufskanal-Ebene wurden Länder, Währungen, Versand- und Zahlarten je Kanal gezählt. Nicht betrachtet wurden die Domains eines Kanals — welche Sprache und Währung an welcher Domain hängt, ist eine eigene Frage und steckt nicht in den hier ausgewerteten Zuordnungstabellen.

Was bei mehrsprachigen und internationalen Shops sonst zu beachten ist, steht in hreflang in Shopware einrichten. Wie wir solche Projekte aufsetzen, gehört zu Shopware-Agentur.

Häufige Fragen

Wie viele Länder sind nach der Installation aktiv?
Alle 250, die Shopware mitbringt — und alle sind zusätzlich als versandverfügbar markiert. Das gilt für 6.6.10.6 und 6.7.13.1 gleichermaßen.
Reicht es, ein Land zu deaktivieren?
Für die Auswahl im Checkout ja. Für die Frage, ob dorthin geliefert wird, ist zusätzlich die Versandverfügbarkeit und die Länderzuordnung der Versandart entscheidend.
Prüft Shopware die USt-ID?
Ab Werk nicht. Kein Land verlangt eine USt-ID, und für keines ist eine Musterprüfung eingeschaltet. Beides lässt sich je Land aktivieren.
Was bedeutet die EU-Kennzeichnung?
27 Länder tragen das Merkmal. Es ist ein Datenfeld, keine Automatik — was daraus steuerlich folgt, entscheiden die Steuerregeln und Ihre fachliche Prüfung.
WeiterführendShopware-Agentur