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Agentic Commerce: wo Händler heute wirklich stehen

KI-Assistenten empfehlen Produkte, und irgendwann sollen sie auch kaufen. Zwischen beidem liegen vier Ebenen — und die meisten Shops stehen noch auf der ersten, ohne es zu wissen.

Pixup MediaVeröffentlicht am Aktualisiert am 12 Min. Lesezeit
Illustration eines Onlineshops auf Laptop und Smartphone, begleitet von einem KI-Assistenten, der Produkte zum Warenkorb führt

„Agentic Commerce" ist der Begriff für eine Entwicklung, die sich gerade sortiert: KI-Assistenten empfehlen nicht nur Produkte, sie sollen sie irgendwann auch kaufen. Der Begriff wird dabei benutzt, als sei das eine Sache. Es sind vier, sie bauen aufeinander auf, und für Händler ist die wichtigste Frage nicht „wann kommt das", sondern auf welcher Ebene stehe ich heute.

Die Antwort fällt bei den meisten Shops, die wir sehen, ernüchternd aus — und das ist die gute Nachricht. Die unteren Ebenen sind die, die man selbst in der Hand hat.

Die vier Ebenen

Jede Ebene setzt die darunter voraus. Wer auf Ebene 4 investiert, ohne Ebene 1 zu beherrschen, baut eine Kasse an eine Tür, die verschlossen ist.

Ebene 1 — Sichtbar sein

Ein Assistent kann nur empfehlen, was er lesen kann. Das klingt banal und ist die Stufe, an der die meisten Vorhaben scheitern, bevor sie begonnen haben: Crawler werden abgewiesen, strukturierte Daten fehlen, Preise im Markup stimmen nicht mit dem überein, was auf der Seite steht.

Ebene 2 — Auffindbar sein

Über die eigene Seite hinaus: Produktfeeds und Kataloge dort, wo die Assistenten tatsächlich einkaufen. Der Zugang ist je nach Plattform unterschiedlich geregelt und derzeit nicht überall offen — einige Programme sind eingeladen, andere frei zugänglich, wieder andere existieren nur als Ankündigung.

Das ist die Ebene, auf der man am wenigsten selbst entscheidet. Genau deshalb ist sie ein schlechter Startpunkt. Was bei einer der Plattformen heute tatsächlich möglich ist, steht in ChatGPT Shopping: was Händler in der EU heute tun können.

Ebene 3 — Verstanden werden

Ein Mensch erkennt aus Bild und Text, dass ein Produkt in drei Größen kommt und die mittlere lieferbar ist. Ein Assistent braucht das als Daten: Variantenstruktur, Verfügbarkeit je Variante, Lieferzeit, Versandkosten, Rückgabebedingungen.

Das ist die Stufe, auf der Datenqualität plötzlich Umsatz bedeutet. Wer seine Varianten nie sauber gepflegt hat, merkt es hier zuerst — und das Problem ist dann kein KI-Problem, sondern ein Pflegeproblem, das vorher nur niemandem aufgefallen ist. Welche Felder ein Assistent konkret braucht, steht in Produktdaten für KI lesbar machen. Was dabei vom Hauptprodukt geerbt wird und was nicht, steht in Was eine Variante von ihrem Hauptprodukt erbt.

Ebene 4 — Abschluss zulassen

Die Stufe, über die am meisten geredet und am wenigsten geliefert wird: Der Assistent legt in den Warenkorb, zahlt und bestellt. Technisch braucht es dafür eine Schnittstelle, die Bestellungen von außen annimmt — und kaufmännisch eine Antwort auf Fragen wie Retouren, Gewährleistung und Kundenkontakt.

Vier Ebenen von der Lesbarkeit bis zum Abschluss, mit der Angabe, wie viel davon in der eigenen Hand liegt.
Die beiden unteren Ebenen liegen vollständig im eigenen Einflussbereich. Die oberen hängen an Plattformentscheidungen, die noch niemand getroffen hat.

Was Shopware dazu beiträgt — und was nicht

Seit 6.7 gibt es einen eigenen Verkaufskanal für diesen Bereich. Wir haben in einer eigenen Runtime nachgesehen, was der Kern dabei tatsächlich mitbringt.

Gemessen in Shopware 6.7.13.1 am 17.09.2026

7

Validator-Dateien für Produktfeeds im Kern

2

Anbieter mit eigener Feed-Konfiguration: Google und OpenAI

87

Store-API-Routen, über die ein externes System den Shop lesen kann

Der entscheidende Befund dabei: Die Prüfung ist formal. Der Validator sagt, ob der Feed technisch in Ordnung ist — ob Pflichtfelder gefüllt sind und die Struktur stimmt. Er sagt nicht, ob der Feed inhaltlich überzeugt.

Das ist keine Kritik, sondern eine Erwartungshaltung, die man kennen sollte: Der Shop liefert die Daten, die Auswahl trifft die Plattform. Ein grüner Haken im Feed-Export ist kein Versprechen auf Sichtbarkeit.

Was wir Händlern raten

Die Reihenfolge, die sich auszahlt

  1. 1
    Prüfen Sie Ebene 1 — heute, in fünf Minuten. Rufen Sie eine Produktseite unter der Kennung eines KI-Crawlers ab und sehen Sie sich an, was zurückkommt. Diese eine Prüfung trennt die Shops, die in KI-Antworten auftauchen können, von denen, die es nicht können.
  2. 2
    Bringen Sie die Produktdaten in Ordnung. Varianten, Verfügbarkeit, Lieferzeit, Versandkosten. Diese Arbeit wirkt sofort und unabhängig davon, welche Plattform sich durchsetzt.
  3. 3
    Richten Sie eine getrennte Messung ein. KI-Traffic in der allgemeinen Statistik zu verbuchen heißt, ihn nicht zu sehen.
  4. 4
    Erst dann Ebene 2 und 4. Feeds und Abschlussschnittstellen sind der Aufbau, der sich lohnt, wenn das Fundament steht — vorher ist es Arbeit an der Fassade.

Rechnen Sie nicht mit schnellen Umsätzen

Was heute über KI-Kanäle hereinkommt, ist bei den Shops, die wir betreuen, ein kleiner Anteil. Er wächst, und er hat eine ungewöhnlich hohe Kaufabsicht — wer über einen Assistenten auf einer Produktseite landet, hat den Vergleichsschritt bereits hinter sich.

Aber es ist heute kein Kanal, der ein Quartalsziel trägt. Wer ihn so behandelt, wird in sechs Monaten enttäuscht sein und die Arbeit einstellen — genau bevor sie sich auszahlt. Wie man diesen Traffic sauber von klassischer Suche trennt, steht in KI-Traffic richtig einordnen.

Die unbequeme Frage

Agentic Commerce verschiebt den Kontakt zum Kunden. Wenn ein Assistent auswählt, vergleicht und bestellt, sieht der Kunde die Marke seltener — und der Shop bekommt Bestellungen ohne die Beziehung, die sonst dazugehört.

Wer zusätzlich Gründe liefert, warum man bei ihm kauft — Beratung, Service, Sortimentstiefe, Verfügbarkeit von Ersatzteilen, Fachwissen —, hat auch in einer Welt mit Einkaufsassistenten etwas anzubieten. Diese Gründe müssen dann allerdings als Daten vorliegen, nicht als Absatz auf der Über-uns-Seite.

Der nächste Schritt

Wenn Sie wissen wollen, wo Ihr Shop steht: Rufen Sie eine Produktseite mit der Kennung eines KI-Crawlers ab und sehen Sie sich an, was zurückkommt. Das dauert fünf Minuten und beantwortet Ebene 1 abschließend.

Für die Ebenen darüber sehen wir uns im Rahmen unserer GEO- und KI-Optimierung an, was ein Assistent aus Ihren Produktdaten tatsächlich lesen kann — und finden dabei regelmäßig Überraschungen, die nichts mit KI zu tun haben und trotzdem seit Jahren Sichtbarkeit kosten.