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Datenqualität als Voraussetzung jeder Integration

Eine Automatisierung macht schlechte Daten nicht besser, sondern schneller. Drei Eigenschaften entscheiden, ob eine Kette trägt — und alle drei lassen sich vorher messen.

Pixup MediaVeröffentlicht am 11 Min. Lesezeit
Illustration einer Frau mit ungeordneten Dokumenten, die geprüft in eine Datenbank und von dort in angeschlossene Systeme fließen

„Wir automatisieren die Produktdatenpflege" ist ein Satz, der in der Hälfte der Fälle bedeutet: Wir übertragen unsaubere Daten künftig schneller und an mehr Stellen.

Das ist kein Argument gegen Automatisierung. Es ist eines für eine Messung vorher — und die dauert einen Abend, nicht ein Quartal.

Eine Verbindung macht schlechte Daten nicht besser. Sie macht sie verfügbarer.

Die drei Eigenschaften

Jede lässt sich messen. Das ist der eigentliche Punkt dieses Textes: Über Datenqualität wird meistens gestritten, weil niemand eine Zahl hat.

Eindeutigkeit

Ein Produkt, eine Kennung — in allen beteiligten Systemen dieselbe. Klingt selbstverständlich, ist in gewachsenen Landschaften selten:

  • Der Shop kennt Artikelnummern mit Bindestrich, die Warenwirtschaft ohne.
  • Zwei Lieferanten liefern dasselbe Produkt unter verschiedenen Nummern.
  • Varianten teilen sich eine Nummer, die eigentlich eindeutig sein sollte.

So messen Sie es: Wie viele Datensätze haben keine eindeutige Entsprechung im Zielsystem? Diese Zahl vor Projektbeginn zu kennen, verändert Zeitpläne — meistens in eine Richtung, die niemand hören will und die alle später dankbar sind.

Vollständigkeit

Welche Felder müssen gefüllt sein, damit ein Datensatz verarbeitet werden kann? Preis, Steuersatz, Gewicht, Zolltarifnummer bei Auslandsversand.

So messen Sie es: Wie viele Datensätze verletzen die Pflichtregel heute? Wenn es 20 Prozent sind, ist die Automatisierung nicht das nächste Projekt — die Bereinigung ist es.

Aktualität

Wer zuletzt geschrieben hat, hat nicht automatisch recht. Ein Bestand aus dem Lager ist aktueller als einer aus einer nächtlichen Datei, auch wenn die Datei später kam.

So messen Sie es: Wie alt ist der älteste Wert, der heute produktiv verwendet wird? Und — die unangenehmere Frage — wird das irgendwo angezeigt?

Drei Eigenschaften mit der jeweiligen Messfrage und dem Schwellenwert, ab dem zuerst bereinigt werden muss.
Drei Fragen, drei Zahlen. Wer sie vor dem Projekt kennt, diskutiert über Maßnahmen statt über Eindrücke.

Die Reihenfolge, die Geld spart

Vier Schritte, in dieser Reihenfolge

  1. 1
    Messen. Wie viele Datensätze verletzen welche Regel? Ein Abend Arbeit, und die Diskussion wird eine andere — weil sie auf Zahlen steht statt auf Eindrücken.
  2. 2
    Regeln festlegen. Was ist Pflicht, was ist erlaubt, was führt zur Ablehnung? Schriftlich, von jemandem gegengelesen, der die Daten kennt.
  3. 3
    Dort durchsetzen, wo die Daten entstehen. Eine Regel, die erst beim Import greift, erzeugt eine Prüfliste. Eine Regel, die im Quellsystem greift, erzeugt saubere Daten.
  4. 4
    Erst dann automatisieren.

Schritt 3 ist der unbequeme. Er bedeutet, dass jemand in der Warenwirtschaft oder im PIM etwas ändern muss — und das ist meistens eine andere Abteilung als die, die das Integrationsprojekt betreibt.

Wie die Messung praktisch abläuft

Die drei Zahlen zu erheben, klingt nach einem Datenprojekt und ist eine Abfrage. So gehen wir vor:

Ein Abend, drei Abfragen

  1. 1
    Eindeutigkeit: Alle Kennungen aus System A gegen System B stellen. Gezählt wird, wie viele keine Entsprechung finden — und wie viele mehrere finden. Der zweite Fall ist der unangenehmere.
  2. 2
    Vollständigkeit: Die Pflichtfeldliste auf den aktuellen Bestand anwenden. Ergebnis ist eine Prozentzahl je Feld, nicht eine Gesamtaussage — das Gewicht liegt fast immer auf ein bis zwei Feldern.
  3. 3
    Aktualität: Den ältesten produktiv verwendeten Wert je Feldgruppe bestimmen. Wenn das nicht ermittelbar ist, ist das bereits das Ergebnis.

Das Resultat passt auf eine Seite und verändert die Projektplanung zuverlässig — nach unserer Erfahrung in etwa der Hälfte der Fälle so, dass zuerst bereinigt und später automatisiert wird.

Die Plausibilitätsgrenze

Es gibt eine Maßnahme, die fast alle weglassen und alle einmal schmerzhaft nachrüsten: eine Grenze, ab der ein Wert nicht automatisch live geht.

PrüfungBeispielgrenze
Preisabweichungmehr als Faktor 3 nach oben oder unten → Prüfliste
Bestandssprungvon 0 auf mehr als 1.000 → Prüfliste
TextlängeBeschreibung unter 50 Zeichen → Warnung
Bildanzahlvon mehreren auf null → Prüfliste

Eine Grenze, die einmal im Quartal anschlägt, hat sich bereits gelohnt. Der Fall, den sie verhindert, ist der Artikel, der über Nacht für 4,99 statt 499,00 Euro im Shop steht — und der dann verkauft wird.

Der Fallstrick bei Varianten

Der häufigste Datenfehler in Shopware-Importen, und er ist nicht offensichtlich:

Ein leeres Feld in der Importzeile löscht den Wert nicht — es stellt die Vererbung vom Hauptprodukt wieder her.

Für den Import heißt das: Wer Variantenwerte behalten will, muss sie in jeder Zeile mitliefern. Ein Profil, das nur geänderte Spalten überträgt, hebt die Vererbung genau dort auf, wo sie gewollt war — oder stellt sie wieder her, wo sie es nicht war. Die Einzelheiten stehen in Was eine Variante von ihrem Hauptprodukt erbt.

Was gute Daten zusätzlich bringen

Das Argument für Datenqualität ist meistens defensiv: weniger Fehler, weniger Nacharbeit. Es gibt ein offensives, das in den letzten zwei Jahren deutlich an Gewicht gewonnen hat.

Vollständige Produktdaten sind die Voraussetzung dafür, in KI-Antworten aufzutauchen. Ein Assistent, der Verfügbarkeit, Maße und Lieferzeit nicht findet, empfiehlt das Produkt nicht — oder empfiehlt es falsch. Was auf welcher Ebene dafür nötig ist, steht in Agentic Commerce.

Dieselbe Arbeit wirkt also an drei Stellen gleichzeitig: in der Integrationsfähigkeit, in der klassischen Suche und in KI-Antworten. Das ist selten und macht sie zu einer der wenigen Maßnahmen, bei denen die Frage nach der Priorisierung sich erübrigt.

Bevor Sie ein Integrationsprojekt beauftragen

  • Die drei Zahlen liegen vor: Eindeutigkeit, Vollständigkeit, Aktualität.
  • Es ist festgelegt, welches System welches Feld führt.
  • Die Pflichtfeldregel ist schriftlich und gegengelesen.
  • Es gibt Plausibilitätsgrenzen für Preis und Bestand.
  • Jemand ist benannt, der die Prüfliste tatsächlich abarbeitet.

Der letzte Punkt entscheidet darüber, ob die Grenzen aus Punkt vier etwas bewirken oder nur eine Liste erzeugen, die niemand ansieht.

Was bei der Verbindung selbst zu klären ist, steht in Systeme verbinden, die nicht miteinander sprechen.

Wenn Sie vor einem Integrations- oder Automatisierungsprojekt stehen: Wir messen die drei Zahlen, bevor irgendetwas gebaut wird. In etwa der Hälfte der Fälle ändert das die Reihenfolge des Vorhabens — und in allen Fällen die Diskussion. Mehr dazu unter App- und Plugin-Entwicklung.