B2B-Shop oder Händlerportal? Eine Entscheidungshilfe
Beides verkauft an Geschäftskunden, beides läuft oft auf derselben Software. Der Unterschied liegt darin, wer bestellt, was er vorher sehen darf und was nach der Bestellung passiert. Sechs Fragen, mit denen Sie herausfinden, was Sie brauchen — und warum die Antwort oft beides ist.

„Wir brauchen einen B2B-Shop" und „wir brauchen ein Händlerportal" klingen nach demselben Vorhaben. Beides verkauft an Geschäftskunden, beides kann auf derselben Shopsoftware laufen. Trotzdem führen die Begriffe zu sehr verschiedenen Projekten — und wer den falschen wählt, baut entweder zu viel oder an den eigentlichen Abläufen vorbei.
Der Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern in drei Fragen: Wer bestellt? Was darf er sehen, bevor er sich anmeldet? Und was passiert nach der Bestellung?
Zwei Bilder, die man auseinanderhalten sollte
Ein B2B-Shop ist ein Onlineshop für Geschäftskunden. Er will neue Kunden gewinnen. Sortiment und oft auch Preise sind öffentlich oder nach einer Registrierung sichtbar, Suchmaschinen sollen ihn finden. Die Besonderheiten liegen bei Preisen, Steuern und Zahlungsarten: Netto statt brutto, Staffelpreise, Rechnungskauf.
Ein Händlerportal ist ein geschlossener Bereich für Kunden, die Sie schon haben. Es ersetzt Bestellungen per Telefon, Fax oder E-Mail. Wer keinen Zugang hat, sieht nichts. Die Besonderheiten liegen bei den Abläufen: Vertragspreise, Nachbestellung, Dokumente, mehrere Besteller je Firma, Freigaben.
Viele Vorhaben sind eine Mischung. Entscheidend ist, wo der Schwerpunkt liegt, weil sich daraus ableitet, was zuerst gebaut wird.
Sechs Fragen für die Entscheidung
1. Kennen Sie Ihre Besteller schon? Kommen die Bestellungen von bestehenden Kunden mit Kundennummer, spricht das für ein Portal. Sollen neue Firmen den Shop finden und sich selbst anmelden, ist es ein Shop.
2. Sollen Sortiment und Preise öffentlich sein? Ein Shop lebt davon, gefunden zu werden — mindestens das Sortiment muss für Suchmaschinen sichtbar sein. Ein Portal zeigt ohne Anmeldung nichts, auch keine Preise, weil diese oft je Kunde verhandelt sind.
3. Gelten für jeden Kunden eigene Preise? Einheitliche Preise für Geschäftskunden, vielleicht mit Staffeln, sind Shop-Alltag. Vertragspreise je Kunde, Rahmenverträge und Sonderkonditionen sind typisch für ein Portal.
4. Bestellen mehrere Personen für dieselbe Firma? Bestellt ein Einkäufer für sich, reicht ein normales Kundenkonto. Bestellen mehrere Mitarbeitende, mit Rollen, Budgets oder einer Freigabe vor dem Absenden, braucht es Firmenkonten — das ist Portal-Logik.
5. Was passiert nach der Bestellung? Im Shop ist die Bestellung meist das Ende des Vorgangs. Im Portal fängt danach vieles erst an: Lieferscheine, Rechnungen, Bestellhistorie, Reklamationen, Nachbestellung aus früheren Aufträgen. Dafür braucht es meist eine Anbindung an die Warenwirtschaft.
6. Wer pflegt die Daten? Ein Shop braucht Produkttexte, Bilder und Kategorien, die verkaufen. Ein Portal braucht vor allem korrekte Stammdaten aus dem ERP: Artikel, Preise, Kunden, Lieferstatus. Die Pflege liegt dort, nicht im Shop.
Was das für Shopware bedeutet
Shopware kann beides abbilden, aber nicht mit denselben Mitteln. Wir haben im Kern von Shopware 6.6.10.6 und 6.7.13.1 nachgesehen, was für Geschäftskunden mitgeliefert wird (zur Prüfung): Kundengruppen mit Nettoanzeige, Preisregeln, Staffelpreise, Steuerregeln je Land, Nummernkreise je Verkaufskanal und die elektronische Rechnung. Tabellen für Firmenkonten oder Mitarbeitende gibt es im Kern keine.
Daraus folgt eine klare Linie:
- Was ein B2B-Shop braucht — Nettopreise, Staffeln, kundenindividuelle Preise über Regeln, Rechnungskauf — ist in Shopware Konfiguration.
- Was ein Händlerportal ausmacht — mehrere Besteller je Firma, Rollen, Budgets, Freigaben, Angebote — braucht eine Erweiterung, etwa die B2B Components von Shopware oder eine eigene Entwicklung.
Das ist der häufigste Planungsfehler in beide Richtungen: Ein Shop, der nur Nettopreise braucht, bekommt eine teure Portal-Erweiterung. Oder ein Portal wird aus Kundengruppen und Regeln nachgebaut, bis es unter den Sonderfällen zusammenbricht.
Der geschlossene Shop als Mittelweg
Zwischen beiden gibt es eine Form, die oft übersehen wird: ein öffentlicher Shop mit geschlossenem Bereich für Bestandskunden. Das Sortiment ist sichtbar und wird gefunden, angemeldete Kunden sehen ihre Preise und bestellen nach. Für viele Hersteller und Großhändler ist das der sinnvolle erste Schritt — Firmenkonten und Freigaben lassen sich später ergänzen, wenn sie gebraucht werden.
Bevor Sie ein Angebot einholen
Schreiben Sie auf, wer heute wie bestellt: per Telefon, per E-Mail, über einen Außendienst. Notieren Sie, welche Preise für wen gelten und was nach einer Bestellung passiert. Mit dieser Liste lässt sich die Frage „Shop oder Portal" meist in einem Gespräch beantworten — und das Angebot beschreibt dann das richtige Projekt.
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