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Google AI Overviews im E-Commerce: was sich ändert

Die Antwort steht über dem Suchergebnis. Für Ratgeberinhalte ist das ein Einschnitt, für Produktseiten weniger — und die Zahlen, die dazu kursieren, halten der Primärquelle nicht stand.

Pixup MediaVeröffentlicht am 12 Min. Lesezeit
Illustration einer Suchanfrage, deren KI-Antwort über den Ergebnissen zu Produktkarten und in den Warenkorb führt

Wenn die Antwort über dem ersten Suchergebnis steht, verschiebt sich, wofür Klicks entstehen. Für Shops ist die Frage nicht, ob das passiert, sondern welche Inhalte es trifft — und da sind die Unterschiede groß genug, dass eine pauschale Panik in die Irre führt.

Fangen wir mit den Zahlen an, weil dort der meiste Unsinn kursiert.

Was die Primärquelle sagt — und was daraus gemacht wird

Die bislang umfangreichste unabhängige Untersuchung stammt von Ahrefs: 300.000 Keywords, je zur Hälfte mit und ohne AI Overview, Vergleich der Klickraten vor und nach der Einführung in den USA. Veröffentlicht am 17. April 2025.

Ihr Ergebnis für die erste organische Position: ein Rückgang der Klickrate um 34,5 Prozent.

Und selbst die belegte Zahl beschreibt einen Durchschnitt über alle Branchen. Für einen Shop ist sie als Planungsgrundlage untauglich. Was zählt, ist die Verteilung über die eigenen Anfragearten.

Was betroffen ist — und was weniger

Vier Anfragearten, geordnet nach Betroffenheit: von Informationsfragen bis zur Markensuche.
Die Betroffenheit hängt an der Absicht hinter der Anfrage, nicht an der Branche. Ein Shop mit vielen Ratgeberinhalten trifft es härter als einen mit vielen Produktseiten.

Stark betroffen: Informationsfragen ohne eigene Substanz. „Wie pflege ich Edelstahl", „Was bedeutet IP67", „Welche Größe brauche ich". Wenn die Antwort in zwei Sätzen passt und überall dasselbe steht, wird sie oben zusammengefasst — und niemand klickt.

Weniger betroffen: Kauffragen. Wer kaufen will, will sehen, vergleichen, Bewertungen lesen und prüfen, ob lieferbar ist. Diese Absicht führt weiterhin auf Seiten.

Kaum betroffen: Marken- und Navigationssuchen. Wer Sie sucht, findet Sie.

Unklar: die Zwischenzone. „Welches Modell für welchen Zweck" — hier entscheidet sich, ob die Antwort ausreicht oder neugierig macht. Genau in dieser Zone lohnt die Arbeit.

Was daraus folgt

Ratgeberinhalte brauchen eigene Substanz

Ein Text, der zusammenfasst, was alle schreiben, wird zusammengefasst. Ein Text mit eigener Messung, eigenem Beispiel oder eigener Erfahrung wird zitiert — und Zitate erzeugen Verweise.

Wir schreiben unsere Fachartikel deshalb auf eigenen Messungen: nicht, weil es schneller wäre, sondern weil es der einzige Teil ist, den niemand zusammenfassen kann, ohne die Quelle zu nennen.

Was überall steht, wird zusammengefasst. Was nur bei Ihnen steht, wird zitiert.

Produktseiten brauchen vollständige Daten

Was eine KI-Antwort über Ihr Produkt sagt, stammt aus dem, was sie lesen kann. Fehlt die Verfügbarkeit, fehlt sie in der Antwort. Steht der Preis nur im Bild, steht er nicht in der Antwort.

Was auf einer Produktseite als Text vorliegen muss

  • Preis im Markup, übereinstimmend mit dem sichtbaren Preis.
  • Verfügbarkeit je Variante, nicht nur am Hauptprodukt.
  • Lieferzeit als Angabe oder als Regel.
  • Versandkosten oder die Bedingung, unter der sie entfallen.
  • Rückgabebedingungen in einem Satz, nicht nur als Link.
  • Maße, Material, Kompatibilität — die Angaben, nach denen gefragt wird.

Die Messung muss getrennt laufen

Wer Verweise aus Assistenten in derselben Statistik verbucht wie klassische Suche, sieht weder das eine noch das andere. Wie sich die drei Quellen trennen lassen, steht in KI-Traffic richtig einordnen.

Was sich nicht ändert

Die Grundlagen bleiben dieselben. Eine Seite, die abrufbar ist, schnell lädt, vollständige Daten hat und eine klare Struktur — das war vor AI Overviews richtig und ist es danach.

Der Klick ist nicht das einzige Ziel. Eine Nennung in einer Antwort ohne Klick ist nicht wertlos. Sie ist nur nicht messbar, und das ist unbefriedigend — aber nicht dasselbe wie wirkungslos.

Die Suche ist weiterhin die größte Quelle. Auch in Shops, die wir betreuen und bei denen KI-Verweise deutlich wachsen, liegt der Anteil im niedrigen einstelligen Bereich. Wer die klassische Suche über der neuen Entwicklung vernachlässigt, tauscht eine große Quelle gegen eine kleine.

Was wir in eigenen Messungen sehen

Wir haben am 09.09.2026 einen festen Satz kommerzieller B2B-Anfragen in der Region Deutschland daraufhin geprüft, ob ein AI Overview erscheint. Ergebnis: bei keiner der 13 gemessenen Anfragen. Diese Erhebung ist als Ausgangswert angelegt und wird in festem Abstand mit demselben Wortlaut wiederholt.

Das ist kein Gegenbeweis zu den Studien — es ist ein Hinweis darauf, wie stark die Lage nach Sprache, Region und Anfrageart schwankt. Die großen Zahlen stammen überwiegend aus dem englischsprachigen Raum und aus Verbraucherthemen; in deutschsprachigen Fachanfragen sieht es heute anders aus.

Der Fehler, der in beide Richtungen gemacht wird

Überreaktion: Ratgeberinhalte werden eingestellt, weil „sowieso niemand mehr klickt". Damit verschwindet auch die Grundlage, überhaupt zitiert zu werden — und Zitate sind der einzige Weg, in Antworten aufzutauchen.

Unterreaktion: Weitermachen wie bisher, weil die eigene Branche noch nicht betroffen ist. Das funktioniert, bis es das nicht mehr tut, und der Rückstand entsteht in genau dem Zeitraum, in dem niemand hinsieht.

Die brauchbare Mitte: weniger Inhalte, die zusammenfassen, mehr Inhalte, die etwas beitragen, was nur Sie haben. Das ist ohnehin die bessere Arbeit — die Entwicklung macht sie nur dringender.

Die drei Maßnahmen, die wir empfehlen

In dieser Reihenfolge

  1. 1
    Bestandsaufnahme: Welche Ihrer Seiten beantworten Fragen, die eine KI-Antwort ebenso gut beantwortet? Diese Seiten brauchen entweder eigene Substanz oder sind kein Investitionsziel mehr.
  2. 2
    Produktdaten vervollständigen. Das wirkt in der klassischen Suche, in KI-Antworten und in Preisvergleichen gleichzeitig — die Maßnahme mit der breitesten Wirkung.
  3. 3
    Getrennt messen, damit Sie in sechs Monaten eine Aussage treffen können statt einer Vermutung.

Was davon auf welcher Ebene liegt und was als Nächstes kommt, haben wir in Agentic Commerce eingeordnet; für Hersteller im B2B gelten dabei andere Regeln.

Wenn Sie wissen wollen, wie stark Sie betroffen sind: Wir gehen Ihre wichtigsten Anfragen durch und sagen, welche Ihrer Seiten in der Zwischenzone liegen — und welche Arbeit sich dort noch lohnt. Mehr dazu unter GEO- und KI-Optimierung.

Quelle der Klickzahlen: Ahrefs, „AI Overviews Reduce Clicks by 34.5%", 17.04.2025 — 300.000 Keywords, Vergleich März 2024 gegen März 2025.