Alle Beiträge
klaviyomailchimpe-mail-marketingvergleich

Klaviyo oder Mailchimp: was den Unterschied macht

Die Frage wird als Preisfrage gestellt und ist eine Datenfrage. Wer nie ein Segment nach Kaufverhalten bauen wird, zahlt für eine Fähigkeit, die er nicht nutzt.

Pixup MediaVeröffentlicht am Aktualisiert am 11 Min. Lesezeit
Illustration zweier E-Mail-Marketing-Dashboards mit Kennzahlen und Abläufen, die durch Pfeile gegenübergestellt sind

Die Frage wird meistens als Preisfrage gestellt: „Klaviyo ist doch teurer, oder?" Ja, bei kleinen Listen deutlich. Aber der Preis ist nicht das, was die beiden unterscheidet — er ist nur die Folge.

Es ist eine Datenfrage. Das eine Werkzeug verwaltet Adressen und verschickt an sie. Das andere verwaltet Kunden mit ihrer Kaufhistorie und verschickt an Verhalten. Wer das zweite nicht braucht, zahlt für etwas, das er nie benutzt — und wer es braucht, kann es mit dem ersten nicht nachbauen.

Was beide können

Newsletter erstellen und versenden, Listen verwalten, einfache Automationen, Öffnungs- und Klickraten messen, Vorlagen bauen, Formulare einbinden, A/B-Tests fahren. Für einen Versender ohne Shop sind beide brauchbar, und Mailchimp ist dabei meist der bequemere Weg: weniger Begriffe, weniger Einstellungen, schneller zum ersten Versand.

Wer nur Newsletter verschickt, bekommt von einem shopnahen Werkzeug nichts geschenkt — nur eine höhere Rechnung und mehr Menüpunkte.

Wo sie auseinandergehen

KriteriumKlaviyoMailchimp
Shop-Daten je Kundetief verzahntgrundlegend
Segmentierung nach KaufverhaltenKernfunktioneingeschränkt
Umsatzzuordnung je Automationab Werkzusätzlich
Produktkatalog im Werkzeugvollständigrudimentär
Einstieg und Bedienungsteilereinfacher
Preis bei kleinen Listenhöhergünstiger
Newsletter ohne Shopüberdimensioniertpassend

Der entscheidende Punkt: Segmentierung nach Verhalten

„Alle, die in den letzten 90 Tagen gekauft haben, aber nicht aus Kategorie X, und deren letzte Bestellung über 100 Euro lag" — solche Segmente sind der eigentliche Grund für ein shopnahes Werkzeug.

Sie setzen voraus, dass Bestellungen mit ihren Positionen im Marketingwerkzeug liegen, nicht nur Adressen mit einem Häkchen „hat gekauft". Das ist der technische Unterschied, aus dem alle anderen folgen.

Zwei Datenmodelle: links Adressen mit Merkmalen, rechts Kunden mit vollständiger Bestellhistorie.
Was im Werkzeug liegt, bestimmt, welche Segmente überhaupt denkbar sind. Alles andere ist Oberfläche.

Wer diese Art Segment nie bauen wird, zahlt für eine Fähigkeit, die er nicht nutzt. Wer sie braucht, kann sie im anderen Werkzeug auch mit Aufwand nicht nachbauen — die Daten sind schlicht nicht da.

Der zweite Punkt: Umsatz je Automation

Ohne Zuordnung diskutiert man über Öffnungsraten. Mit Zuordnung über Umsatz. Das verändert Gespräche über Marketingbudgets erheblich — eine Öffnungsrate von 38 Prozent überzeugt niemanden in der Geschäftsführung, 4.200 Euro aus einer Warenkorbstrecke schon.

Unsere Empfehlung

Woran Sie sich entscheiden können

Mailchimp reicht

  • überschaubare Liste, im Wesentlichen Newsletter
  • keine verhaltensbasierten Strecken geplant
  • kein Shop oder ein Shop ohne Anbindung
  • niemand da, der Segmente pflegt

Klaviyo lohnt

  • Warenkorbabbruch, Nachkauf, Reaktivierung sollen laufen
  • Umsatz je Automation soll sichtbar werden
  • Sortiment groß genug für Empfehlungen
  • Segmente nach Kaufverhalten sind geplant

Ein Wechsel lohnt selten allein wegen des Funktionsumfangs. Er lohnt, wenn eine konkrete Strecke geplant ist, die im aktuellen Werkzeug nicht geht — und wenn jemand da ist, der sie danach betreut. Diese zweite Bedingung ist die häufigere Hürde: Ein ungepflegtes Klaviyo ist teurer und schlechter als ein gepflegtes Mailchimp.

Was der Betrieb tatsächlich kostet, haben wir in Was Klaviyo kostet aufgeschlüsselt.

Was beim Wechsel zu bedenken ist

Die Migration ist nicht der Export einer Liste. Das ist der Satz, den wir in Projekten am häufigsten sagen müssen — meistens, nachdem der Export schon gemacht wurde.

Was mitwandern muss

  • Einwilligungen samt Nachweis: Zeitpunkt, Herkunft und der Text, dem zugestimmt wurde.
  • Abmeldungen: vollständig, aus allen Listen, auch aus alten.
  • Segmente: nachgebaut, nicht übertragen — die Logik unterscheidet sich.
  • Laufende Automationen: inklusive der Frage, wer sie am Umschalttag stoppt und startet.
  • Historie, soweit sie für Segmente gebraucht wird — ohne sie ist das neue Werkzeug am ersten Tag so blind wie das alte.

Was die Zustellbarkeit tatsächlich beeinflusst

Weil die Frage in jedem Vergleich aufkommt: Beide Anbieter liefern zuverlässig zu. Der Unterschied in der Zustellrate, den Shops zwischen zwei Werkzeugen messen, hat in aller Regel andere Ursachen.

Woran Zustellbarkeit wirklich hängt

  • Die eigene Absenderdomain korrekt eingerichtet, mit Signatur und Absenderrichtlinie — nicht die Standarddomain des Anbieters.
  • Die Listenhygiene: Wer seit Jahren nichts öffnet, senkt die Bewertung für alle anderen mit.
  • Die Versandfrequenz: ein plötzlicher Sprung von 2.000 auf 40.000 Empfänger wird als auffällig bewertet.
  • Die Abmeldemöglichkeit: sichtbar und funktionierend, nicht versteckt.
  • Die Reaktionsrate: Öffnungen und Klicks sind das stärkste positive Signal, das Sie senden können.

Ein Wechsel des Werkzeugs verbessert keinen dieser Punkte von selbst. Wer mit schlechter Zustellrate wechselt und nichts weiter ändert, nimmt sie mit.

Die Reihenfolge, die sich bewährt hat

Ein Wechsel ohne Aussetzer

  1. 1
    Anbindung im neuen Werkzeug aufbauen und laufen lassen, während das alte weiterläuft. Kein Versand, nur Datenfluss.
  2. 2
    Datenlage prüfen: Kommen Bestellungen mit Positionen an? Sind Produkte mit Bild und Preis da? Ohne das funktionieren die interessanten Strecken nicht.
  3. 3
    Einwilligungen und Abmeldungen übertragen — und die Zahlen beider Systeme gegeneinander abgleichen, bevor irgendetwas verschickt wird.
  4. 4
    Eine Strecke umschalten, nicht alle. Die Warenkorbstrecke eignet sich, weil sie schnell messbar ist.
  5. 5
    Zwei Wochen beobachten, dann den Rest.
  6. 6
    Das alte Werkzeug kündigen — aber erst, wenn die Historie gesichert ist.

Was die Entscheidung nicht ist

Sie ist keine Frage der Vorlagen. Beide bauen ansehnliche Mails; wer meint, das eine sehe besser aus, vergleicht meist ein gepflegtes mit einem ungepflegten Konto.

Sie ist auch keine Frage der Zustellbarkeit. Beide liefern zuverlässig zu, solange die Liste sauber ist und die Domain korrekt eingerichtet. Die Zustellrate hängt an Ihrem Verhalten, nicht am Anbieter.

Und sie ist keine endgültige Entscheidung. Ein Wechsel ist Aufwand, aber machbar — die eigentliche Festlegung liegt darin, ob Sie verhaltensbasiertes Marketing betreiben wollen oder nicht. Welche Fragen Sie einer Agentur dazu stellen sollten, steht in Klaviyo-Agentur auswählen.

Wenn Sie unsicher sind, auf welcher Seite Sie stehen: Nennen Sie uns die drei Strecken, die Sie in den nächsten zwölf Monaten aufbauen wollen. Daran lässt sich die Frage in einem Gespräch klären — meistens mit einem klaren Ergebnis. Mehr dazu bei unserer Klaviyo-Beratung.