Barrierefreiheit in Shopware-Shops: automatisierte Prüfung bis zum Checkout
Wir haben 51 Shopware-Shops mit axe-core geprüft — Startseite, Produktseite, Warenkorb und das Adressformular im Checkout. Kein Shop war auf der Startseite ohne automatisch erkennbaren Verstoß. Die häufigsten Funde: zu schwache Kontraste, Links und Bilder ohne Text und ein Warenkorb-Symbol, das für Hilfsmittel anders heißt, als es aussieht.
Ergebnis
0 von 51
Startseiten waren ohne automatisch erkennbaren Verstoß. Im Median fand axe-core vier verschiedene Regelverstöße je Seite. Am saubersten war das Adressformular im Checkout: Median zwei Regeln, vier von 46 ohne Fund. Am häufigsten waren in allen vier Zuständen zu schwache Kontraste.

Barrierefreiheit im Onlineshop entscheidet sich nicht auf der Startseite, sondern auf dem Weg zur Bestellung: Produkt finden, in den Warenkorb legen, Adresse eingeben. Wir wollten wissen, was eine automatisierte Prüfung auf diesem Weg findet. Dafür haben wir am 6. Oktober 2026 dieselben 51 Shopware-Shops geprüft, deren Ladezeit wir einen Tag vorher gemessen hatten (zur Messung) — in vier Zuständen, von der Startseite bis zum Adressformular im Checkout.
Geprüft haben wir mit axe-core, einer verbreiteten Bibliothek für automatisierte Barrierefreiheitstests, nach den Kriterien der WCAG 2.0 und 2.1 auf den Stufen A und AA. Bestellt, registriert oder abgesendet haben wir nichts.
Wie viel gefunden wurde
| Seitentyp | gemessen | ohne Fund | Median Regeln (mittlere Hälfte) | Median betroffene Elemente |
|---|---|---|---|---|
| Startseite | 51 | 0 | 4 (3–6) | 22 |
| Produktseite | 49 | 1 | 4 (3–6) | 19 |
| Warenkorb mit Artikel | 46 | 0 | 4 (3–5) | 8 |
| Checkout-Adressformular | 46 | 4 | 2 (1–3) | 6,5 |
Je weiter es zur Bestellung ging, desto weniger fand das Werkzeug. Das Adressformular war der sauberste Zustand: Bei vier Shops fand axe-core dort gar nichts, im Median zwei verschiedene Regeln. Das heißt nicht, dass die Formulare barrierefrei sind — Fehlermeldungen und die Bedienung mit Tastatur hat diese Messung nicht geprüft.
Die häufigsten Funde
| Regel | Startseite (51) | Produkt (49) | Warenkorb (46) | Checkout (46) |
|---|---|---|---|---|
| zu schwacher Kontrast | 40 | 42 | 40 | 35 |
| sichtbarer Text weicht vom zugänglichen Namen ab | 32 | 28 | 39 | — |
| Link ohne Text | 33 | 18 | — | 6 |
| Bild ohne Textalternative | 28 | 18 | 13 | 10 |
| Liste ohne passende Einträge | 20 | 19 | 19 | — |
„—" heißt: nicht unter den fünf häufigsten Regeln dieses Seitentyps.
Kontrast war überall der häufigste Fund. Bei einem Befund haben wir nachgerechnet: weiße Schrift auf einem gedeckten Braunton, 15 Pixel groß — Verhältnis 4,49 zu 1, gefordert sind 4,5. Viele Kontrastfehler sind solche knappen Fälle, aber sie betreffen Text, der gelesen werden muss.
Das Warenkorb-Symbol im Kopfbereich fiel auf 28 von 46 Warenkorbseiten auf; insgesamt schlug die Regel auf 39 Warenkorbseiten an. Für Hilfsmittel heißt es „Warenkorb", sichtbar steht dort aber der Betrag. Wer mit Sprachsteuerung arbeitet und „Klick auf 49,90 Euro" sagt, trifft den Knopf nicht. Das Muster sah in vielen Shops gleich aus, was auf eine gemeinsame Quelle in Theme oder Vorlage hindeutet; geprüft haben wir das nicht.
Links und Bilder ohne Text stammen auf den Startseiten vor allem aus Bild-Links in Erlebniswelten und aus Slidern: Ein Banner mit Angebot verlinkt, aber nichts sagt, wohin. Wie die Storefront Alternativtexte aus der Medienverwaltung übernimmt — und was ohne gepflegten Text herauskommt —, steht in Barrierefreiheit in Shopware.
Listen ohne passende Einträge fanden sich vor allem im Fußbereich: Spalten, die sich als Liste ausgeben, aber keine Listeneinträge enthalten. Ein Screenreader kündigt dann eine Liste an, die keine ist.
Das Adressformular im Checkout
Weil das Formular die Stelle ist, an der eine Bestellung scheitert, haben wir es gesondert ausgewertet:
- Felder ohne Beschriftung gab es nur in 3 von 46 Formularen, zusammen vier Elemente: eine Captcha-Eingabe, eine Auswahl zwischen Privat- und Firmenkunde und ein Kontrollkästchen zum Anlegen eines Kontos.
- Das Geburtsdatum war die häufigste Lücke. In 6 von 46 Formularen waren die Auswahlfelder für Monat und Jahr nicht beschriftet — nur der Tag hatte eine Beschriftung, Monat und Jahr lediglich einen Platzhalter.
- Automatisches Ausfüllen war in 5 Formularen fehlerhaft ausgezeichnet, in drei davon mit zufälligen Werten an Postleitzahl, Ort und Straße. Browser können die Felder dann nicht zuverlässig vorbefüllen — eine Hilfe, auf die gerade Menschen mit motorischen Einschränkungen angewiesen sind.
- Kontrast blieb mit 35 von 46 auch hier der häufigste Fund.
Was daraus folgt
Viele der häufigen Funde stecken in Bausteinen, die auf jeder Seite vorkommen: Kopfbereich mit Warenkorb-Symbol, Fußbereich, Farben des Themes, Erlebniswelt-Bilder. Wer sie einmal korrigiert, behebt den Fund überall. Das ist der günstigste Einstieg — und danach beginnt die Arbeit, die kein Werkzeug abnimmt: Tastatur, Screenreader, Fehlerfälle.
Kein geprüfter Shop war ohne automatisch erkennbaren Verstoß. Die meisten Funde stecken in Bausteinen, die auf jeder Seite vorkommen — dort lohnt die erste Korrektur.
